Dilettantische Planungen – Ein Wuppertaler Großprojekt als Millionengrab.

Baustelle_DöppersbergSo titelte Dienstag-Abend der Deutschlandfunk eine dreiviertel-stündige Sendung. Das wird unsere Stadtführung wenig beeindrucken. Mitte Juli beginnt die Vollsperrung der B7. Drei Jahre soll sie dauern. Zwei Jahre Bauzeit soll sie einsparen.

Wie immer die geplante verkürzte Bauzeit eingehalten werden soll. Mangels genehmigter Bebauungspläne passiert bis nächstes Frühjahr erst einmal recht wenig. Im Bereich der B7 sind lediglich zeit-unkritische Abrissarbeiten wie am Bus-Überflieger zwischen B7 und Bahnhofstraße geplant.

Unter diesen Umständen könnte man die Vollsperrung der B7 ohne nachteilige Verzögerungen für Projekt und Investor auf die nächsten Oster- oder Sommerferien verschieben. „Will man aber nicht – natürlich nicht“ so Franz Büning: „Es geht ja nicht um Bauzeitoptimierung, sondern um das Einschlagen des letzten Pflocks, der zementieren soll: Es kommt genauso wie es die Stadtspitze geplant hat und keinen Deut anders.“

Bemerkenswerter Weise haben beide aktuellen Gutachter die Vollsperrungsvariante nicht grundsätzlich als vorteilhafter bewertet. Ihre Bewertung lautet vielmehr sinngemäß: „Zwei Jahre Bauzeitverkürzung geben den Ausschlag.“

Beide Gutachter geben keine Bewertung dazu ab, wie plausibel das Ausmaß der behaupteten Bauzeitverkürzung von fünf auf zweieinhalb bis drei Jahre ist. Haben sie sich nicht getraut, vierzig bis fünfzig Prozent Bauzeitverkürzung zu bestätigen oder in Frage zu stellen? Die B7 in Richtung Barmen soll lange als Baustellenverkehrs- und -lagerfläche dienen. Kann das wirklich wesentlich zu zwei Jahren Bauzeiteinsparung beitragen?

Aktuell gibt es eine Haushaltssperre, weil 25 Millionen Euro Gewerbesteuer ausgefallen sind. Die nächste Haushaltssperre kommt folgerichtig spätestens dann, wenn beim nächsten Ausschreibungsergebnis im Döppersberg-Projekt- wie beim letzten Mal – ein vergleichbarer Betrag als Mehrkosten auftaucht. Haushaltssperre heißt Vergabestopp. Vergabestopp heißt Bauverzögerung. Bauverzögerung heißt, von der geplanten Bauzeitverkürzung bleibt nichts übrig!

Bleiben wird dagegen der Schaden für die Elberfelder Einkaufsstadt und die fehlenden Einnahmen der Stadt Wuppertal durch die B7-Sperrung.

Dazu Olli Graf, der Spitzenkandidat der Piratenpartei zum Rat der Stadt Wuppertal: „Wir fordern die Stadtspitze auf, die für Juli geplante Vollsperrung der B7 zu stoppen und schnellst möglichst einen Workshop mit echter Bürgerbeteiligung zu organisieren. Wir brauchen endlich ein praktikables, weniger Stadt-schädigendes Verkehrskonzept für die Bauzeit.“


Kommentare

Ein Kommentar zu Dilettantische Planungen – Ein Wuppertaler Großprojekt als Millionengrab.

  1. Hollaender schrieb am

    Wie es aussieht, spielt in Wuppertal der „Bürgerwille“ kaum oder gar keine Rolle bei den Plänen der „Stadtspitze“, es entsteht vielmehr der Verdacht, dass sich jemand ein Denkmal bauen will.
    Der (noch) amtierender OB Jung bewirbt den Döppersbergumbau als „Neues Tor zur Stadt“, vergisst aber scheinbar, dass ein neues Tor wenig bringt, wenn es dahinter und/oder davor weiterhin aussieht, wie unter dem berühmten Sofa der Hempels.
    Was erwartet denjenigen, der durch dieses Tor z.B. den Hauptbahnhof betritt, der diese Bezeichnung wohl kaum verdient?
    Ein verdrecktes, vergammeltes Areal bei dem zumindest bei Gleis 2 & 3 von Barrierefreiheit keine Rede sein kann.
    Meine Großmutter pflegte einen solchen zustand mit den Worten zu bezeichnen:
    Von aussen hui, von innen Pfui!

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